Andrea A.
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Ich bin neu approbierte Psychotherapeutin und machte mich mit heiteren Gedanken und mehr oder weniger reinen Herzens auf den Weg in die Welt der kassenärztlichen Versorgung. Auf diesem Weg begleitet einen heutzutage unter anderem der Konnektor – der heiligen Gral der Praxis-IT, der aber weniger ewiges Leben verspricht, sondern eher… naja Bob Ross hätte gesagt "happy little accidents". Sieht aus wie ein Router, hat einige bunt blinkende Lämpchen und kommt von iMotion. Soweit mir bekannt, erzeugt der Konnektor einen VPN-Kanal. Möglicherweise mit Hilfe schwarzer Magie oder schamanischer Riten, denn ich – als IT-Laie – verstehe das System nicht wirklich.
Um fast alles gekümmert hat sich der Anbieter meiner Praxissoftware (medatixx, vermutlich Kumpel von Asterix), sodass ich von iMotion erfahren habe, weil „mein“ Softwareanbieter dort die Telematik als Service bestellt hat und ich eines nachts um 2 Uhr einen Mail von iMotion bekam, in der ich meinen (mir völlig unbekannten, da vom Softwareanbieter bestellten) Zugang bestätigen sollte. Ob dort nachts ein schlafloser Mitarbeiter wacht und aufs eMail-Versende-Knöpfchen drückt? Wahrscheinlich ging das automatisch…
Jedenfalls erhielt ich dann mehrere Päckchen mit der ganzen Hardware und zum geplanten Start war das alles da. Das war schonmal gut! Dann kam der Techniker des Softwareanbieters (also nicht von iMotion) und installierte alles, vier Stunden lang. Der Konnektor funktionierte zunächst nicht, bis sich herausstellte, dass da irgendein anderer Port angegeben werden muss als üblich. Dann gab es Probleme beim Vernetzen von Konnektor und Praxissoftware, danach ging das Kartenlesegerät erstmal nicht, weil es aktualisiert werden musste. Die Fehlersuche nahm jeweils viel Zeit in Anspruch. Glücklicherweise war ein lieber Unterstützer – auch Informatiker – mit dabei und half. Weil ich das Elend (ständig funktionierte etwas nicht) nicht ertragen konnte, ging ich raus und grummelte still vor mich hin, während ich angestaute Aggressionen beim Zusammenbau eines Schränkchens rausließ.
Später stellte sich heraus, dass ich nicht in das Mitgliederportal (Safenet) der KV komme, weil der Techniker da etwas am Konnektor nicht freigeschaltet hat. Aber das lag dann nicht an iMotion. Dieses Zusammenspiel verschiedener Firmen aber – Softwareanbieter, iMotion, medisign für die Karten – macht vieles schwierig. In der Theorie interagiert alles ganz wunderbar miteinander, eines greift ins andere, die Vöglein singen, ein Regenbogen glitzert… in der Realität hakt es dann mehrfach irgendwo zwischen diesen Verbindungen.
Manchmal frage ich mich, ob ich diesen Konnektor überhaupt brauche. Dass er leider da sein muss, ist mir klar, aber hat der einen Nutzen für mich? Verbessert das irgendwas für mich in meiner Praxis? Ich lehne Digitalisierung nicht komplett ab, aber die elektronische Patientenakte ist für die Psychotherapie eigentlich unnütz – sicher will kaum ein Patient, dass man einen Therapiebericht in der eAkte speichert. Zudem ist es mir lieber, eventuelle Berichte auszudrucken auf ein analoges Medium (also Papier) und sie dem Patienten mitzugeben, der dann selbst entscheidet, welchem Arzt er sie vorlegt und welchem nicht oder ob überhaupt. Na ja, vielleicht bin ich auch zu Old School, ich habe nämlich selbst auch keine eAkte.
Im Laufe der ganzen Geschichte, dieses epischen Dramas, hatte ich mehrfach selbst Kontakt mit iMotion aufgenommen, mal telefonisch, mal per Mail. Telefonisch habe ich fast immer jemanden erreicht. Manchmal ging tatsächlich keiner dran, aber wer weiß – vielleicht war da gerade Mittagspause oder die Mitarbeiter mussten neue Konnektoren mit schwarzer Magie befüllen. Mails wurden immer beantwortet. Ich kann mich daher gar nicht groß beschweren, abgesehen davon, dass ich inzwischen eine latente Abneigung gegen die Digitalisierung in der Praxis hege (merkt man aber gar nicht oder?).